Die lahmende US-Konjunktur bereitet Flossbach von Storch deutlich größere Sorgen als der Brexit, erläutert Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran. Auf einem Branchenkongress in Frankfurt verrät er auch, was er von Immobilien hält.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch, misst dem Brexit-Entscheid von vergangener Woche keine große Bedeutung bei. “Der Brexit ist ein Symptom, keine Ursache. Wir stehen vor viel größeren Problemen”, sagte er am Dienstag auf der Branchenveranstaltung “Funds Excellence” in Frankfurt. Europa habe mit einem großen Vertrauensverlust zu kämpfen, nicht nur in die Politik, sondern auch in Währung und Notenbank. Ähnlich hatte sich am Montag schon Firmengründer Bert Flossbach im Interview mit FONDS professionell ONLINE geäußert.

Deutlich größere Sorgen als der Brexit bereite Flossbach von Storch eine mögliche Konjunkturabkühlung in den USA, für die es schon erste Anzeichen gebe, so Vorndran. Er erwartet, dass die kommende Regierung der Vereinigten Staaten ein gigantisches Konjunkturprogramm auflegen wird, um die Volkswirtschaft zu stabilisieren. Die EU werde dem Vorbild der USA folgen, auch wenn sich Deutschland derzeit noch dagegen sperre. “Ich bin fest davon überzeugt, dass neue Schulden das Thema der nächsten 12 bis 24 Monate sein werden”, sagte Vorndran.

30-jährige Anleihen mit negativer Rendite
Die hohe Staatsverschuldung mache es undenkbar, die Zinsen auf absehbare Zeit wieder zu erhöhen, denn dann ließen sich die Schulden nicht mehr refinanzieren. Vorndran verwies darauf, dass inzwischen sogar 30-jährige Schweizer Bundesobligationen negative Renditen abwerfen – eine zuvor unvorstellbare Konstellation.

Anders als viele andere Marktbeobachter meint Vorndran nicht, dass der Europäischen Zentralbank die Munition ausgehe. Die Notenbanker kaufen inzwischen nicht nur Staatsanleihen auf, sondern auch Unternehmensanleihen, um die Zinsen niedrig zu halten. “Der nächste logische Schritt liegt im Ankauf von Aktien-ETFs, so wie das in Japan schon passiert”, so Vorndran.

“Bis zum Endspiel kann es noch lange dauern”
Flossbach von Storch erwartet bekanntermaßen, dass das aktuelle Finanzsystem eines Tages kollabieren wird. Vorndran: “Bis es zu diesem Endspiel kommt, kann es aber noch lange dauern – es sei denn, es findet eine Flucht aus der Welt der Nominalwährungen statt.” Anfänge einer solchen Flucht seien längst erkennbar, was sich etwa mit Blick auf den Immobilienboom in Deutschland zeige.

Trotz des Preisanstiegs und der hohen Bewertungen ist Vorndran keineswegs ein Feind von Immobilieninvestments. “Die Immobilie ist die ideale Altersvorsorge – solange es um die eigenen vier Wände geht und nicht um Zinshäuser”, sagte Vorndran. “Auch wenn wir uns damit Geschäft kaputtmachen, raten wir unseren Kunden immer, zunächst eine eigene Immobilie zu erwerben, bevor sie über Investmentprodukte nachdenken sollen.” Als Geldanlage seien Immobilien jedoch deutlich unattraktiver als beispielsweise Aktien. (bm)